Hochhäuser: Unser neuer Lebensraum?!

Die Siegertrophäe erstand "The Met", das in einem Innenstadtviertel von Bangkok/Thailand steht; die Entwurfsplanung stammt von WOHA Architects. Wong Mun Summ, Mitbegründer von WOHA (Singapur), nahm den Preis – eine Statuette von Künstler Thomas Demand – sichtlich bewegt entgegen. Der Bauherr des "Met", Hotel Properties Limited, stiftete das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro einer lokalen wohltätigen Organisation, die bedürftigen Schulkindern in Singapur u.a. Essen bereitstellt. Kinder können so auch Architektur kennen und schätzen lernen, erklärt Wong und fügt hinzu, dass Kinder mit Essen im Bauch einen guten Start in den Tag und ins Leben bekommen.
Der Gedanke: "Wie geht es dem Menschen?" klingt auch deutlich an, als Wong "The Met" vorstellt: Das 230 Meter hohe Wohnhochhaus will seinen Bewohnern Lebensqualität bieten, es will sich ins Stadtbild einfügen und die Umwelt schonen. Dazu bricht es mit den Normen. Denn westlich geprägte Hochhäuser grenzen sich eher von der Umwelt ab – hierzulande um Kälte abzuhalten – oder um der Hitze zu trotzen, wie z.B. beim Finalisten Burj Khalifa in Dubai, dem derzeit höchsten Hochhaus der Welt, das u.a. wegen seiner technologischen Innovationen von der Jury geehrt wurde. "The MET" hingegen bietet als Lösung für tropisches Klima bewusst eine große "Angriffsfläche": Sechs miteinander verbundene, in sich offen gestaltete Türme profitieren von natürlicher Wind-Kühlung, verstärkt durch Grundrisse, die von allen Seiten die Apartments mit natürlichem Licht und – dank Querlüftung – mit Luft versorgen. Der Einsatz von Klimaanlagen wird so nahezu überflüssig. WOHA will mit seiner Planung, dass der Bewohner sich als Individuum statt als Nummer fühlt, will ihm seine eigene Haustür und sein Gärtchen geben, eine Art Landschaft integrieren, ein Gemeinschaftsgefühl wie in einem Dorf innerhalb des Hauses schaffen – für entspanntes und gesünderes Leben in den Mega-Cities des Tropen. So verfügen einige der 370 Apartments über einen eigenen Pool, es gibt ein gemeinschaftliches Schwimmbad, viel Grün, Treffpunkte, Bereiche für Sport, Spielplätze für Kinder – das alles lässt "The Met" sehr wohnlich erscheinen – auch, wenn der erste Anblick doch eher einem normalen Hochhaus ähnelt.

Spencer de Grey, Head of Design bei Foster+Partners (London), die 2008 mit dem IHP ausgezeichnet wurden, wies außerdem auf die Kosteneffizienz für alle Beteiligten hin, wenn öffentliche Verkehrsmittel in nächster Nähe genutzt werden könnten.

Auch die gemischte Nutzung, meist Wohnen (Eigentum, Hotel etc.), Einkaufen, Arbeiten – also eine "City in the City", gefiel der Jury bei den Finalisten-Hochhäusern, zusätzlich zu Kriterien wie Energie-Effizienz, innovative Technik, um nur einige zu nennen.


Beim "The Met" stehe nicht allein die Form, sondern der Raum im Vordergrund. Dies sei weniger durch Fotos, sondern beim Durchwandern des Gebäudes körperlich zu erfahren, betont Dipl.-Ing. Michaela Busenkell, Kuratorin der Ausstellung vom Deutschen Architekturmuseum.
In Frankfurt/Main habe man sich laut Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth das Thema Nachhaltigkeit 2008 in den Hochhaus-Entwicklungsplan geschrieben. So zähle nicht nur Technik, Höhe und spektakuläre Form, auch funktionale, städtebauliche und ökologische Aspekte seien für eine ganzheitliche Hochhaus-Architektur entscheidend. Und Prof. Dr. Felix Semmelroth, Kulturdezernent von Frankfurt, merkt als Jury-Mitglied die Leuchtturm-Funktion des Preises sowie der Finalisten-Gebäude an – u.a. als Seismograph in der internationalen Architekturdebatte, als ein Ausdruck für Frankfurts Bekenntnis zur Moderne, aber auch konkret mit Blick auf die ungewöhnliche Klimatisierung im "The Met" als wesentlichen Diskussionsbeitrag. Weil, so auch Semmelroth, Hochhäuser massiv auf die Lebensqualität von Menschen einwirken.
Wong fügt am Rande der Preisverleihung hinzu: Im "The Met" leben auch viele Familien mit Kindern. Die Familien wachsen, es werde viel gelacht, so der Planer, der es als ein Zeichen für gute Lebensqualität in "seinem" Hochhaus und guter Architektur ansieht, dass nun auch sozialer Wohnungsbau mit WOHAs Konzepten in Singapur angedacht sei.

(Text und Fotos: Susanne Oelerich, 2010)